Margret Wibmer erforscht in ihren Performances, Skulpturen, Videoinstallationen und fotografischen Arbeiten die Beziehungen zwischen Körpern, Objekten und Räumen. Indem sie Mehrdeutigkeit und das Prinzip des Zufalls als Methodik nutzt, um verinnerlichte Prozesse, Normen und Werte, die tief in unserer Gesellschaft verankert sind zu dekonstruieren, schafft sie vergängliche “Realitäten” um uns auf neue Weise mit der Welt und mit anderen zu verbinden. Dies wird besonders in ihren partizipatorischen Performances deutlich, in denen sie choreografische Elemente, Klangkompositionen und tragbare textile Requisiten einsetzt um das Publikum als Akteure in ihre Arbeit mit einzubeziehen.

Prinzipiell geht es der Künstlerin immer um das Ausloten und Instrumentalisieren „von Schnittstellen zwischen Körpern, ihrer Oberflächen und deren Verschränkungen mit Räumen, mit Blicken und Klang und nicht zuletzt mit kulturellen Zeichensystemen“, wie Reinhard Braun (Camera Austrai) die Basis-Intention Margret Wibmers einmal sehr treffend formuliert hat. Darüber hinaus und im Speziellen konkretisieren sich die thematischen und inhaltlichen Aspekte solcher Settings und Interventionen jeweils im Kontext ihres Ortes und ihrer Zeit. Da bringt die Künstlerin das Verhältnis des Individuums (als physisches, geistiges und „politisches“ Subjekt) zu jeweils über-individuellen (ethischen, normativen, formalen …) Gegebenheiten (wie Mode, Umwelt, Ökonomie, Religion, Politik, Kultur/Geschichte …) „mehrsprachig“, d.h. auch mehrdeutig interpretierbar, zum Ausdruck. Das gelingt, indem sie die Grenze zwischen Produzent/in und Rezipient/innen verflüssigt, Letztere zu potenziellen Ko-Generierenden ihres „Werks“ macht. Das „Werk“ ist damit ein zwar im Kern konzeptuell gefestigtes, in seiner äußeren Formulierung aber offen und flexibel, weil nach außen geöffnet.


Margret Wibmer, 2021

Margret Wibmer wurde in Lienz, Österreich geboren, verbrachte einen großen Teil der 1980er Jahre in New York und zog 1990 nach Amsterdam, wo sie seither lebt und arbeitet. Internationale Ausstellungsbeteiligungen, Einzelausstellungen und Performances u.a. im Palais de Tokyo, Paris; RMIT Design Hub, Melbourne; Oude Kerk, Amsterdam; Ishikawa Nishida Kitaro Museum of Philosophy, Japan; KAI 10 – Arthena Foundation, Düsseldorf; Centro per l’arte Contemporanea Luigi Pecci, Prato; Fashion Moda Gallery, South Bronx, USA. Ihre Arbeiten wurden in Publikationen wie Sony Style Magazine, Vestoy und Metropolis M. veröffentlicht. Monographien erschienen im Kerber Verlag und VfmK – Verlag für Moderne Kunst. 


With a contribution by Lucas Gehrmann.